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KONFLIKT
- WASSERKONFLIKT - URSACHEN - SKALEN
- WEITERE BEGRIFFE
KONFLIKT
Die Bedeutung des Wortes
Konflikt ist nach lateinisch conflictus als Streit, Auseinandersetzung
oder Zusammenstoß zu übersetzen (KLUGE 1999).
Einen klaren oder einheitlichen
wissenschaftlichen Konfliktbegriff gibt es nicht, da sich Konflikte
auf unterschiedlichen Ebenen und Betrachtungsweisen jeweils anders darstellen
können (WASMUHT 1996). Verallgemeinert kann aber gesagt werden, dass
bei einem Konflikt mindestens zwei differierende Positionen oder Forderungen
aufeinander kollidieren. Es entsteht ein Widerstreit an Motiven, so
der psychologische Konfliktbegriff.

WASSERKONFLIKT
Konflikte die in Zusammenhang
mit dem Wasser oder den Gewässern stehen, können als Wasserkonflikte
bezeichnet werden. Auch hier ist eine eindeutige begriffliche Abgrenzung
unmöglich. Da sich auf sozialer, kultureller, religiöser, wirtschaftlicher,
ökologischer, ethnischer usw. Ebene entstehende Konflikte völlig unterschiedlich
ausfallen. Zudem sind die betroffenen Sach- und Beziehungsebenen zum
Teil nicht zu vergleichen.

URSACHEN
Ursachen für Wasserkonflikte
sind im wesentlichen:
-
Wassermangel
-
Wasserumleitungen
-
Wasserverschmutzung
-
Wasserstau
Wassermangel
- Es können unterschieden werden (ENGELMANN, DYE und LEROY, 2000):
-
periodischer oder
regelmäßiger Wassermangel, wenn zwischen 1700 und 1000 Kubikmeter
Wasser pro Kopf und Jahr zur Verfügung stehen
-
chronischer
Wassermangel, wenn weniger als 1000 Kubikmeter Wasser pro Kopf
und Jahr zur Verfügung stehen
-
absoluter Wassermangel,
wenn weniger als 500 Kubikmeter Wasser pro Kopf und Jahr zur Verfügung
stehen
Wasserumleitungen
- Insbesondere in grenzüberschreitenden Gewässer-Einzugsgebieten
von Bedeutung, wenn ein Staat oder Oberlieger an einem Fluss Wasser
(z.B. mittels Kanal) ableitet und sich somit die Abflussmenge im Hauptstrom
wesentlich erniedrigt. Die Unterliegen können ggf. nicht genügend
Flusswasser zur Nutzung erhalten. Meist werden Wasserumleitungen zum
Bewässerungsfeldbau vollzogen oder zur Erhöhung von fehlenden
Trinkwasserressourcen an anderer Stelle.
Wasserverschmutzung
- Auch hier ist das "Oberlieger-Unterlieger-Problem" ausschlaggebend,
wenn ein Oberlieger beispielsweise ungeklärte und verschmutzte
Abwässer in einen Fluss einleitet und somit zu erheblichen hygienischen
oder ökologischen Problemen beiträgt, die der Unterlieger
zu tragen hat, wenn dieses Flusswasser als Trinkwasserressource (z.B.
Uferfiltrat) genutzt wird.
Wasserstau
- Der ungestörte Durchfluss von Wasser wird durch Aufstau, vor
allem durch den Bau von Staudämmen unterbrochen bzw. deutlich vermindert.
Auch hier wird eine ausreichende Menge Wasser dem Unterlieger ggf. vorenthalten.
Weitere Probleme sind die Wasserkraftnutzung zur Energieerzeugung des
Oberliegers. Insbesondere in grenzüberschreitenden Einzugsgebieten
ein wesentliches Konfliktpotential.
Einen Zusammenhang zwischen menschlichen
Tätigkeiten und der Ressource Wasser (Süßwasser) soll
Abbildung 1 verdeutlichen. Damit soll das komplexe Wirkungsgefüge
vereinfacht dargestellt werden, das auf vielfältige Weise Ursachen
bedingt, die aus der Wechselbeziehung zwischen Aspekten der Bevölkerungsentwicklung
und der Wassernutzung entstehen können.

Abbildung 1 "Beziehungen zwischen
Bevölkerung und Süßwasser-Ressource"
(Eigene Darstellung nach IUCN et al. 1996)

SKALEN
Wasserkonflikte treten
in unterschiedlichen Dimensionen oder Skalen auf. Es können somit regionale,
nationale und internationale Wasserkonflikte unterschieden werden, d.h.
der Skalenbezug sind politische Einheiten.
Ein wesentliches Skalenniveau
betrifft die grenzüberschreitenden
Gewässer (Seen, Flüsse, Grundwasser), deren natürliche Erstreckung
über ein administratives, nationalstaatliches Gebiet hinaus reicht.
Neben diesen gesellschaftspolitisch
relevanten Skalen kennt auch die Wasserforschung basierend auf Konventionen
der Hydrologie räumliche Skalenniveaus (nach Maniak 2001):
lokales Skalenniveau
1 m bis 100 m Lauflänge
eines Fließgewässers
1 Quadratmeter bis 1 Hektar einer Einzugsgebiets
Kartendarstellung:
1:5.000
regionales
Skalenniveau
0,1 km bis 10 km Lauflänge
eines Fließgewässers
1 Hektar bis 100 Quadratkilometer einer Einzugsgebiets
Kartendarstellung:
1:50.000
überregionales
Skalenniveau
10 km bis 1000 km Lauflänge
eines Fließgewässers
100 Quadratkilometer bis 10.000 Quadratkilometer einer Einzugsgebiets
Kartendarstellung:
1:200.000

WEITERE
BEGRIFFE
Wasserkrise
Eine Krise kann ein
Vorstadium zu einem Konflikt sein. Allerdings ist der Begriff auch vielschichtig
zu verstehen. Wasserkrise wird oft synonym bzw. im Zusammenhang mit
Wassermangel benutzt. Der Begriff fällt jedoch auch in Verbindung
mit wasser- oder gewässerrelevanten kritischen Situationen, wie
Hochwasserereignissen oder Wasserverschmutzung. Auch der Begriff Katastrophe
ist eng mit dem Wort Wasserkrise gekoppelt (siehe Dürre- oder Überschwemmungskatastrophe).
Wasserkrieg
Dieser Begriff wird
selten verwendet, doch existieren in der Geschichte Beispiele für die
sicherlich schärfste Konfliktform um Wasser. Aber auch aktuelle Beispiele
lassen sich aufzeigen (vgl. z.B. HOFFMANN 1997; POLKEHN 2002) . Es ist
zu befürchten, dass der Begriff Wasserkrieg eine bedeutende semantische
Erscheinung im 21. Jahrhundert werden wird.
Links:
Weitere allgemeine
Informationen zum Thema Wasser und Gewässer finden Sie unter www.hydrogeographie.de
Literatur:
KLUGE, F. (1999): Etymologisches
Wörterbuch der deutschen Sprache. DeGruyter: Berlin et al.
WASMUHT, U. (1996): Friedensforschung
als Konfliktforschung. In: Imbusch und Zoll (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung.
Leske und Budrich: Opladen
ENGELMANN, R. / DYE, B. und LEROY,
P. (2000): Mensch, Wasser. Report über die Entwicklung der Weltbevölkerung
und die Zukunft der Wasservorräte. Balance: Stuttgart
HOFFMANN, T. (1997): Wasser in Asien.
Secolo: Osnabrück
POLKEHN, K. (2002): Krieg um Wasser
? Morgenbuch: Berlin

(c) M.Reiss
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